Windstille, was nun?
Wind Stilling: Die unterschätzte Herausforderung für die Energiewende
Was bedeutet „Wind Stilling“?
„Wind Stilling“ beschreibt eine langfristige Abschwächung bodennaher Windgeschwindigkeiten (near-surface winds). Für die Energiewende ist das relevant, weil Windkraft nicht linear reagiert: Schon kleine Änderungen der Windgeschwindigkeit können große Ertragseffekte auslösen, da die Leistung näherungsweise mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit skaliert.
Wichtig ist dabei die Einordnung: In der Forschung wird nicht nur über einen historischen Rückgang („Stilling“) diskutiert, sondern auch über Phasen einer teilweisen Erholung („Recovery“) nach etwa 2010. Die Windentwicklung ist also kein einfacher Einbahntrend, sondern wird durch Klimasignal und natürliche Variabilität überlagert.
Beobachtungen: Stilling – und warum die Debatte komplizierter ist
Für viele Regionen wurden zwischen den späten 1970er-Jahren und etwa 2010 sinkende bodennahe Windgeschwindigkeiten berichtet. Als mögliche Ursachen gelten u. a.:
- Veränderungen großräumiger Zirkulationsmuster (Atmosphäre–Ozean-Kopplungen)
- zunehmende Oberflächenrauigkeit (Urbanisierung, Landnutzung, Vegetation)
- natürliche Schwankungen, die Trends auf 20-Jahres-Skalen stark überdecken können
Mehrere Arbeiten weisen darauf hin, dass interne Klimavariabilität auf mittleren Zeitskalen dominieren kann und Trends regional sehr unterschiedlich ausfallen. Genau deshalb ist es wichtig, Wind Stilling nicht als Schlagwort zu behandeln, sondern als Forschungsfeld mit Unsicherheiten.
Der Kern für Europa: Gan Zhang (Environmental Research Letters, 2025)
Einen klaren, aktuellen Fokus setzt die Studie von Gan Zhang (University of Illinois Urbana-Champaign), veröffentlicht 2025 in Environmental Research Letters. Zhang analysiert große Ensemble-Klimasimulationen unter Hochemissions-Szenarien und fragt gezielt nach saisonalen Veränderungen.
Zentrale Befunde der Studie
- Für die nördlichen Mittelbreiten (u. a. Europa) wird eine verstärkte sommerliche Windstille projiziert.
- In den Sommermonaten kann die bodennahe Windgeschwindigkeit regional bis etwa 15 % sinken.
- Der Mechanismus wird mit verstärkter Landerwärmung und Veränderungen in der Troposphäre verknüpft.
- Besonders kritisch: Die sommerliche Windstille fällt zeitlich zusammen mit einem wachsenden Kühlbedarf (mehr Hitze → mehr Stromnachfrage).
Damit beschreibt die Studie nicht nur „weniger Wind“, sondern ein Risiko-Paket: geringeres Angebot trifft auf höhere Nachfrage – genau in der Jahreszeit, in der Energiesysteme zunehmend belastet werden.
Warum wenige Prozent so viel ausmachen können
Windkrafterträge reagieren überproportional: Ein Rückgang der mittleren Windgeschwindigkeit klingt gering, kann aber – abhängig vom Standort und vom Windregime – deutlich größere Ertragsverluste bedeuten. Das wirkt sich aus auf:
- Wirtschaftlichkeit (Volllaststunden, Erlöse, Finanzierung)
- Preisspitzen in knappen Stunden (Merit-Order / Grenzmarkt)
- Versorgungssicherheit, wenn mehrere Regionen gleichzeitig unter Hochdrucklagen liegen
Systemperspektive: Wind Stilling, Dunkelflauten und Resilienz
Für die Energiewende zählt nicht nur die Jahresmenge, sondern die zeitliche Verfügbarkeit. Längere Hochdrucklagen können – je nach Saison – mit geringer Windproduktion und zeitweise auch schwächerer Solarproduktion zusammentreffen. In der Systemplanung rückt damit die Frage nach Resilienz in den Vordergrund:
- Netze und Interkonnektoren (räumlicher Ausgleich)
- flexible Erzeugung / Reservekapazitäten
- Speicher (kurz- und mittelfristig)
- Lastmanagement (Demand Response)
- diversifizierter Mix (PV, Wind on/offshore, ggf. Wasser, Biomasse, Importoptionen)
Fazit: Wind Stilling ernst nehmen – ohne Alarmismus
Wind Stilling ist kein „Beweis“, dass Windkraft scheitert – aber ein Warnsignal, dass Klimawandel auch erneuerbare Ressourcen verändern kann. Die Zhang-Studie macht deutlich: Sommerliche Windstille in Europa ist ein plausibles Zukunftsrisiko, das mit steigender Nachfrage zusammenfallen kann. Gleichzeitig zeigt der Forschungsstand: Trends können regional unterschiedlich sein, und natürliche Variabilität spielt eine große Rolle. Genau deshalb braucht es mehr robuste Datensätze, bessere Regionalanalysen und eine Energiewende-Planung, die Wetter- und Klimarisiken systematisch einpreist.
Typische Wetterlagen
Kein Windrad dreht sich und kein Grashalm bewegt sich:





Hinweis zur Erstellung der Seite: Der Text basiert auf einer KI-gestützten Analyse (ChatGPT) sowie ergänzenden Recherchen über browserbasierte Suchfunktionen. Die inhaltliche Verantwortung liegt bei der Redaktion. Quellen (Auswahl):
Zhang, Gan (2025), Environmental Research Letters: Amplified summer wind stilling and land warming compound energy risks in Northern Midlatitudes (Bibliographie/Abstract-Nachweis).
Wohland et al. (2021), Earth System Dynamics: Wind-Stilling und „Recovery“ im Kontext interner Klimavariabilität.
Zeng et al. (2019), Nature Climate Change (PDF): Diskussion „reversal in global terrestrial stilling“ und Implikationen.
Yale Environment 360 (Hintergrund, 2022): Einordnung der Debatte „global terrestrial stilling“ und post-2010-Entwicklung.
EEA Climate-ADAPT (Indikator/Datengrundlage): Mean wind speed als klimarelevanter Index/Datensicht.
Titelbild: Athena Sandrini – pexels.com / Bilder im Text: freepik.com – symbolisch für Wind Stilling.

