BayWa-Krise: Einordnen für unsere Region
Windenergie vor Ort –
Entscheidungen im Schatten der Konzernkrise?
BayWa r.e.: Projektentwicklung als Geschäftsmodell
Die BayWa r.e. tritt als globaler Projektentwickler für Wind-, Solar- und Speicherprojekte auf. Planung, Bau, Betrieb – und oft auch der Weiterverkauf von Projekten – gehören zum Kerngeschäft. Dieses Modell ist branchenüblich. Es folgt jedoch einer klaren Logik: Nicht die Region steht im Mittelpunkt, sondern die wirtschaftliche Verwertbarkeit des Projekts.
Für betroffene Landkreise bedeutet das: Der Projektname bleibt, der Betreiber kann wechseln – manchmal schneller, als die Öffentlichkeit es wahrnimmt.
Die BayWa AG: Sanierung, Führungskrise, Ermittlungen
Die Muttergesellschaft BayWa AG befindet sich Anfang 2026 weiterhin in einer tiefgreifenden Sanierung. Führungskrisen, massive Wertverluste, Standortschließungen und laufende staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen frühere Vorstände prägen das Bild.
Auch wenn einzelne Projekte formal ausgelagert sind: Der wirtschaftliche Druck im Konzern wirkt bis in die Tochtergesellschaften hinein. Wer Vermögenswerte entwickelt, steht unter Erwartung, diese möglichst effizient zu Geld zu machen.
Was das für Windenergieprojekte bedeutet
Niemand stellt infrage, dass BayWa r.e. weiter Windenergieprojekte entwickelt. Doch die Rahmenbedingungen haben sich verändert:
- Projekte müssen schneller genehmigungsreif werden
- sie müssen verkaufsfähig sein
- und sie müssen Finanzierungs- und Bilanzziele bedienen
In solchen Phasen geraten andere Aspekte leicht in den Hintergrund: Kommunikation, regionale Einbindung, langfristige Verantwortung.
Eimbeckhausen (Hameln-Pyrmont): 263 Meter – ohne Bürgerbeteiligung
Für die Vorrangfläche Eimbeckhausen liegt beim Landkreis Hameln-Pyrmont ein Antrag auf Genehmigung einer 263 Meter hohen Windenergieanlage vor. Das Verfahren ist rechtlich zulässig – aber politisch brisant:
Es gibt keine Bürgerbeteiligung.
Gerade bei Anlagen dieser Dimension wirkt das wie ein Verfahren über die Köpfe der Betroffenen hinweg. Wenn zugleich ein Projektentwickler unter Konzern-Sanierungsdruck steht, stellt sich zwangsläufig die Frage: Geht es hier noch um eine sorgfältige regionale Abwägung – oder vor allem um das Abarbeiten einer Projektpipeline?
Apelern (Schaumburg): Noch viele offene Punkte
Zum Projekt Apelern liegen uns derzeit noch nicht alle Informationen vor. Eine abschließende Bewertung ist deshalb nicht möglich – und wäre unseriös. Doch auch hier gilt: In einem Umfeld, in dem Projekte zunehmend entwickelt und weitergereicht werden, ist frühe Transparenz kein Luxus, sondern Voraussetzung für Vertrauen.
Ein unbequemer, aber notwendiger Gedanke
Windenergie ist Teil der Energiewende – aber sie ist längst auch Teil von Konzernstrategien, Finanzierungslogiken und Sanierungsplänen. Wenn Großprojekte ohne Bürgerbeteiligung genehmigt werden und Projektentwickler unter hohem wirtschaftlichem Druck stehen, dann darf – und muss – kritisch gefragt werden:
Wer entscheidet?
Wer profitiert?
Und wer trägt langfristig die Folgen?
Sachliche Kritik ist kein Fortschrittsverweigerung. Sie ist die letzte Form von demokratischer Kontrolle, wenn formale Verfahren Beteiligung ersetzen.
Die Koordinaten der geplanten Windenergieanlage in der Nähe des Naturschutzgebiet Walterbachtal liegen inzwischen vor.
Darüber hinaus wurde in der Gemarkung Eimbeckhausen ein Rotmilan durch eine Windenergieanlage getötet. Die Tötung wurde von der Naturschutzbehörde des Landkreises Hameln-Pyrmont bestätigt. Entsprechende Fotodokumentationen liegen vor.
Vor diesem Hintergrund werden wir die weitere Entwicklung des Projekts besonders aufmerksam und sachlich begleiten und darüber berichten.
Ernüchternde Bilanz
Britta Benecke war einst eine überzeugte Befürworterin der Windenergie. Ihre persönlichen Erfahrungen haben ihre Haltung grundlegend verändert. Heute sieht sie die Belastungen durch Lärm, Infraschall und Landschaftszerstörung kritisch und wünscht sich, sie hätte die Folgen früher erkannt…
Titelbild: freepik.com – Gondel und Rotor eines hohen Windrads.

