Energiewende und Resilienz
Eine Lehre aus dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz
Ein kritischer Blick von Prof. Dr. Fritz Vahrenholt. Abstract des Newsletters von Januar 2026.
Der Stromausfall im Süden Berlins hat die Verwundbarkeit eines Energiesystems sichtbar gemacht, das immer stärker auf eine vollständige Elektrifizierung setzt. Ziel der Energiewende ist es nicht nur, Strom aus Wind- und Sonnenenergie zu erzeugen, sondern auch Wärmeversorgung und Verkehr weitgehend auf Strom umzustellen. Diese Konzentration auf einen einzigen Energieträger wird unter dem Begriff Sektorkopplung als Zukunftsmodell beworben – mit weitreichenden Folgen für Kosten, Versorgungssicherheit und Krisenfestigkeit.
Kosten und strukturelle Abhängigkeiten der Sektorkopplung
Ursprünglich sollte die Sektorkopplung überschüssigen Wind- und Solarstrom sinnvoll nutzen. Tatsächlich führt sie jedoch zu einer massiven Verteuerung des Gesamtsystems. Studien beziffern die Kosten der Energiewende bis 2045 auf mehrere Billionen Euro. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von einer wetterabhängigen Stromversorgung, die künftig nicht nur den bisherigen Strombedarf, sondern auch Heizung und Mobilität tragen soll.
Widerstandsfähigkeit im Krisenfall
Der Anschlag in Berlin zeigt exemplarisch, wie stark die Resilienz – also die Widerstandsfähigkeit – eines solchen Systems leidet. Fällt der Strom aus, steht bei einer weitgehend elektrifizierten Wärmeversorgung auch die Heizung still. Besonders betroffen sind Wärmepumpen, die ohne Strom nicht nur funktionslos werden, sondern bei längerem Ausfall und Frost sogar dauerhaft beschädigt werden können. Diese Risiken waren bislang kaum Teil der öffentlichen Debatte.
Auch im Verkehrssektor erweist sich die Abhängigkeit als problematisch: Elektrofahrzeuge bieten nur dann eine Notfalloption, wenn sie zufällig vor dem Ausfall vollständig geladen wurden. Andernfalls fallen auch sie aus. Damit geht ein zentraler Vorteil des bisherigen Energiesystems verloren: die Widerstandsfähigkeit durch getrennte, speicherfähige Versorgungssysteme. Gas für die Wärmeversorgung und flüssige Kraftstoffe für die Mobilität konnten bislang auch bei Störungen im Stromnetz weiter genutzt werden. Wenn nun alle drei Energiesäulen an eine einzige, wetterabhängige Stromversorgung gekoppelt werden, sinkt die Krisenfestigkeit erheblich.
Ideologische Begründungen und ihre Wirkung
Das erste Bekennerschreiben zum Anschlag bedient sich einer Sprache, die aus dem Umfeld des Klimaalarmismus bekannt ist. Wörtlich heißt es:
„In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört. Ganze Regionen werden unter der Hitze unbewohnbar gemacht. Sie verbrennen einfach. Oder Lebensräume verschwinden unter den Fluten bei Überschwemmungen oder aufgrund des steigenden Meeresspiegels. Fossile Kraftwerke abschalten ist Handarbeit.“
Bis auf den letzten Satz finden sich ähnliche Formulierungen in politischen Programmen und internationalen Berichten. Die Kritik richtet sich nicht gegen den Schutz von Klima und Umwelt, sondern gegen eine ideologisch aufgeladene Begründung der Energiewende, die systemische Risiken ausblendet und zur Legitimation realitätsferner Konzepte dient.
Fazit
Nach Einschätzung von Fritz Vahrenholt macht der Berliner Stromausfall deutlich, dass Versorgungssicherheit und Widerstandsfähigkeit wieder stärker in den Mittelpunkt der Energiepolitik rücken müssen. Ein Energiesystem, das alle zentralen Lebensbereiche von einer einzigen, störanfälligen Stromversorgung abhängig macht, hält einem ernsthaften Realitätstest nicht stand.
Rundbrief von Prof. Dr. Fritz Vahrenholt
Der Rundbrief kann auf der Website abonniert werde:
Titelbild: freepik.com – symbolisch für den Blackout.

