Windkraft: Video 10 von Prof. Schulte
Wertschöpfung, Energiekonzerne und internationale Investoren
Im zehnten Teil seiner Videoserie setzt Prof. Dr. Andreas Schulte, Professor für Klimakunde, Waldökologie und Forstwirtschaft, seine wirtschaftliche Analyse der Energiewende fort. Nachdem im vorherigen Teil Bürgerbeteiligung, kommunale Einnahmen und die Verwendung öffentlicher Mittel im Mittelpunkt standen, richtet sich der Blick diesmal vor allem auf große Energiekonzerne, internationale Investoren und die Frage, wo die wirtschaftliche Wertschöpfung tatsächlich stattfindet.
Schulte widerspricht erneut der häufig verwendeten Darstellung, wonach der Ausbau der Windenergie automatisch zu umfangreicher regionaler Wertschöpfung führe. Kommunale Einnahmen und lokale Aufträge seien nur ein Teil einer wesentlich größeren wirtschaftlichen Rechnung.
Energiekonzerne und politische Netzwerke
Ausführlich beschäftigt sich Prof. Schulte mit der Rolle großer Energiekonzerne. Am Beispiel von RWE beschreibt er historische Verbindungen zwischen Energiewirtschaft, Kommunen und Politik und verweist auf frühere öffentlich dokumentierte Debatten über Lobbyismus und politischen Einfluss.
Auch die Eigentümerstruktur des Unternehmens nimmt er in den Blick. Neben deutschen Kommunen halten internationale institutionelle Investoren erhebliche Anteile an RWE. Nach den im Video dargestellten Unternehmensangaben gehörten Anfang 2026 unter anderem die Qatar Holding und der US-Vermögensverwalter BlackRock zu den größten Einzelaktionären.
Damit stellt Schulte eine zentrale Frage: Wenn Energiekonzerne hohe Gewinne erwirtschaften und Dividenden ausschütten, welcher Anteil davon verbleibt tatsächlich in den deutschen Kommunen – und welcher Teil fließt an internationale Kapitalgeber?
Internationale Wertschöpfung statt regionaler Produktion
Die Frage stellt sich nicht nur bei Gewinnen und Dividenden, sondern auch bei der industriellen Produktion. Prof. Schulte verweist unter anderem darauf, dass ein erheblicher Teil der in Deutschland installierten Photovoltaiktechnik importiert wird. Auch bei Windenergieanlagen werden wichtige Komponenten zunehmend international produziert.
Als Beispiel nennt er ein Offshore-Projekt von RWE, für das Stahltürme bei einem chinesischen Hersteller bestellt wurden. Gleichzeitig steht nach seiner Darstellung der letzte große deutsche Produzent entsprechender Offshore-Stahltürme unter erheblichem internationalen Wettbewerbsdruck.
Damit relativiert sich aus seiner Sicht das Argument der regionalen Wertschöpfung: Planung, Wegebau, Pachten und einzelne Dienstleistungen können zwar vor Ort Einkommen schaffen. Die finanziell bedeutenden Industriekomponenten stammen jedoch vielfach aus internationalen Produktionsketten.
Ausländische Investoren bei Wind- und Solarenergie
Auch bei den Eigentumsverhältnissen verweist Prof. Schulte auf eine zunehmende Internationalisierung. Er greift unter anderem Recherchen über deutsche Offshore-Windparks auf, nach denen große Teile der Stromerzeugungskapazitäten ausländischen Investoren zuzurechnen seien. Vergleichbare Entwicklungen beschreibt er bei Photovoltaik und Batterietechnik.
Die Energiewende müsse deshalb nach seiner Auffassung nicht nur anhand der installierten Leistung bewertet werden. Ebenso wichtig sei die Frage, wo Anlagen hergestellt werden, wem sie gehören, wo Gewinne entstehen und wohin diese anschließend fließen.
Milliardenförderung und industrielle Abhängigkeiten
Besonders kritisch betrachtet Schulte die staatliche Förderung neuer Energietechnologien. Als Beispiel führt er die gescheiterte Batteriezellproduktion von Northvolt an, die mit umfangreicher staatlicher Unterstützung in Deutschland aufgebaut werden sollte. Gleichzeitig verweist er auf die wachsende Bedeutung chinesischer Hersteller bei Batterien, Photovoltaikkomponenten und Teilen der Windenergieindustrie.
Damit stellt sich für ihn eine grundsätzliche wirtschaftspolitische Frage: Wenn Milliarden Euro öffentlicher Mittel für die Transformation des Energiesystems eingesetzt werden, in welchem Umfang entstehen daraus dauerhaft industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Kompetenz in Deutschland?
Was bedeutet regionale Wertschöpfung tatsächlich?
Video 9 und 10 der Serie stellen damit ein häufig verwendetes Argument für Windenergieprojekte auf den Prüfstand. Kommunale Zahlungen, Pachteinnahmen und Aufträge an örtliche Unternehmen können durchaus wirtschaftliche Vorteile für eine Standortregion schaffen. Prof. Schulte fordert jedoch, diese Einnahmen nicht isoliert zu betrachten.
Für eine vollständige Bilanz müssten auch öffentliche Fördermittel, Investitionskosten, importierte Anlagenkomponenten, Eigentümerstrukturen, Dividendenströme und die langfristigen Auswirkungen auf den Industriestandort berücksichtigt werden.
Erst dann lässt sich beurteilen, welcher Anteil der gesamten wirtschaftlichen Aktivität tatsächlich in der Region oder zumindest in Deutschland verbleibt.
Fazit
Prof. Dr. Andreas Schulte erweitert mit Video 10 seine Analyse der wirtschaftlichen Seite der Energiewende. Sein Blick richtet sich diesmal weniger auf einzelne Windparks als auf die dahinterliegenden Strukturen von Energiekonzernen, Investoren, internationalen Lieferketten und politischer Einflussnahme.
Die zentrale Frage aus dem vorherigen Teil bleibt damit bestehen und wird erweitert: Wenn Bürger über Steuern und Stromkosten erhebliche Mittel für den Umbau des Energiesystems aufbringen, wer profitiert langfristig von diesen Investitionen?
Für Kommunen bedeutet dies, versprochene Einnahmen und regionale Wertschöpfung nicht isoliert zu betrachten. Entscheidend ist die Gesamtbilanz – von öffentlichen Fördermitteln über lokale Einnahmen und Arbeitsplätze bis hin zu Produktionsstandorten, Eigentumsverhältnissen und den Empfängern der erwirtschafteten Gewinne.
Quellen zum Vortrag
Zur Vertiefung der im Video angesprochenen Themen steht ein Auszug aus dem Literatur- und Quellenverzeichnis von Prof. Dr. Andreas Schulte zur Verfügung.
YouTube-Kanal CumTempore
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Bilder: Screenshot aus Videos.

