Unfall mit Rotorblatt
Rotorblatt stürzt bei Schwertransport zum Windpark Sirnitz ab
Ein 85 Meter langes Rotorblatt ist auf dem Weg zum Windpark Sirnitz/Dreispitz im Schwarzwald auf den Spezialtransporter gestürzt. Ursache war nach ersten Erkenntnissen ein technischer Defekt an der Hydraulik. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Der Unfall macht zugleich deutlich, welche Herausforderungen mit dem Transport immer größerer Windenergieanlagen in schwierigem Gelände verbunden sind.
Hydraulik versagt in einer S-Kurve
Der Unfall ereignete sich am Donnerstag, dem 27. August 2026, gegen 13:20 Uhr auf der L131 nahe Sirnitz im südlichen Schwarzwald. Ein Schwertransport war mit einem Rotorblatt für den im Bau befindlichen Windpark Sirnitz/Dreispitz bergwärts unterwegs.
Nach Angaben des Polizeipräsidiums Freiburg kam es in einer S-Kurve zu einem technischen Defekt an der Hydraulik des Aufliegers. Das aufgerichtete Rotorblatt kippte daraufhin und stürzte auf das ziehende Spezialfahrzeug sowie einen vorausfahrenden Zugtraktor. Die Fahrer konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Verletzt wurde niemand.
Das Rotorblatt hat eine Länge von rund 85 Metern. Während verschiedene Medien ein Gewicht von etwa 25 Tonnen nennen, spricht die Polizei von rund 27 Tonnen.
Schaden bis zu einer Million Euro
Die Folgen des Unfalls sind erheblich. Nach erster Einschätzung der Polizei entstand ein Sachschaden zwischen 700.000 und einer Million Euro. Das Rotorblatt wurde so stark beschädigt, dass es nicht mehr verwendet werden kann. Darüber hinaus trat Hydrauliköl aus. Feuerwehr und Gefahrgutzug waren im Einsatz, um das Öl aufzunehmen beziehungsweise seine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Die genaue Ursache des technischen Defekts soll durch weitere Untersuchungen geklärt werden. Deshalb wäre es verfrüht, über die bisherigen Angaben der Polizei hinausgehende Schlussfolgerungen zum konkreten Versagen der Technik zu ziehen.
Spezialtechnik für 85 Meter lange Rotorblätter
Gerade die Dimension moderner Windenergieanlagen stellt die Transportlogistik vor außergewöhnliche Anforderungen. Beim Unfall kam ein sogenannter Bladelifter beziehungsweise Selbstfahrer zum Einsatz. Mit dieser Spezialtechnik können lange Rotorblätter hydraulisch aufgerichtet und geschwenkt werden. Nur dadurch lassen sich enge Kurven und Serpentinen bewältigen, bei denen ein horizontal transportiertes Rotorblatt dieser Länge kaum noch manövrierbar wäre.
Der Unfall zeigt allerdings auch die Kehrseite dieses Verfahrens: Das mehrere Dutzend Tonnen schwere und aufgerichtete Bauteil ist während des Transports unmittelbar von der Funktionsfähigkeit der komplexen Hebe- und Hydrauliktechnik abhängig. Genau in einer der engen S-Kurven trat nun offenbar ein technischer Defekt auf.
Aufwendige Transportstrecke durch den Schwarzwald
Die Schwierigkeiten der Strecke waren bereits lange vor Beginn der Transporte bekannt. Nach Angaben von Badenova werden die besonders langen und schweren Komponenten zunächst zu Logistikflächen gebracht und dort auf spezielle Selbstfahrer umgeladen. Die Rotorblätter werden anschließend einzeln über die L131 durch Oberweiler und Schweighof zum Windpark transportiert.
Für diese Transporte sind zeitweise vollständige Straßensperrungen erforderlich. Bereits im Vorfeld waren außerdem Straßenabschnitte und einzelne Kurven für die Großtransporte vorbereitet worden. Insgesamt müssen allein 15 Rotorblätter zu den fünf geplanten Windenergieanlagen gebracht werden. Der Unfall ereignete sich damit auf einer Transportstrecke, deren besondere Anforderungen bekannt waren und für die umfangreiche logistische und verkehrliche Maßnahmen getroffen wurden.
Fünf Windenergieanlagen mit knapp 250 Metern Gesamthöhe
Der Windpark Sirnitz/Dreispitz entsteht auf einem Höhenzug zwischen Müllheim und Sulzburg. Vorgesehen sind fünf Windenergieanlagen vom Typ Enercon E-175 mit einer Leistung von jeweils sieben Megawatt.
Die Anlagen erreichen nach aktuellen Angaben von Badenova eine Gesamthöhe von 249,5 Metern. Zusammen sollen sie auf 35 Megawatt Leistung kommen und jährlich rund 71,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen.
Die Dimensionen erklären auch den enormen logistischen Aufwand: Rotorblätter von rund 85 Metern Länge können auf den letzten Kilometern durch das bergige und kurvenreiche Gelände nicht mehr wie gewöhnliche Schwerlasttransporte bewegt werden.
Unfall wirft Blick auf die „letzte Meile“
Der Unfall auf der Sirnitz ist zunächst ein einzelnes Ereignis. Daraus lässt sich keine generelle Aussage über die Sicherheit aller Rotorblatttransporte ableiten.
Er macht jedoch einen Aspekt sichtbar, der in der öffentlichen Diskussion über neue Windenergieanlagen häufig wenig Beachtung findet: Mit zunehmender Größe der Anlagen wachsen auch die Anforderungen an Transportwege, Straßen, Brücken, Kurvenradien und Spezialtechnik.
Gerade bei Windparks in Wald- und Mittelgebirgslagen endet die Herausforderung deshalb nicht mit der Genehmigung eines Anlagenstandortes. Die bis zu mehrere hundert Tonnen schweren und teilweise mehr als 80 Meter langen Großkomponenten müssen zunächst sicher bis zur Baustelle gelangen.
Im Fall Sirnitz ging dieser Transport trotz umfangreicher Vorbereitung und Spezialtechnik schief. Dass bei einem herabstürzenden Rotorblatt dieser Dimension niemand verletzt wurde, ist zweifellos großes Glück.
Quellen
Polizeipräsidium Freiburg, 28. August 2026: Schwertransport verunfallt mit Rotorblatt einer Windkraftanlage.
SWR Aktuell, 28. August 2026: Bei Transport: Großes Rotorblatt von Windrad kracht auf Fahrzeuge.
Badische Zeitung, 27. August 2026: Riesiges Rotorblatt stürzt auf Fahrzeuge – Unfall am Sirnitz-Windpark endet glimpflich.
Badenova: Projektinformationen und Pressemeldungen zum Windpark Sirnitz/Dreispitz.
Video dokumentiert den Unfall
Beim Transport eines 85 Meter langen Rotorblatts zum Windpark Sirnitz versagt die Hydraulik.
Videoaufnahmen vom Unfallort vermitteln einen unmittelbaren Eindruck von den Dimensionen des Rotorblatts und den Folgen des Absturzes.

Quelle: YouTube / Sirnitzunfall – Bild: Screenshot aus Video.
Windpark Dreispitz/Sirnitz
Die Interessengemeinschaft „Lebensraum Blauen“ dokumentiert den Bau des Windparks auf der Dreispitz/Sirnitz im Schwarzwald anhand des Standorts auf dem Gipfel Schnelling. Insgesamt sollen 5 Windräder auf verschiedenen Standorten im Bereich Dreispitz/Sirnitz gebaut werden.

