Risiken bei der Gasversorgung
Fritz Vahrenholt warnt vor Risiken der deutschen Gasversorgung
Prof. Dr. Fritz Vahrenholt weist in seinem aktuellen Newsletter auf eine Entwicklung hin, die in der öffentlichen Diskussion bislang nur wenig Beachtung findet: Die deutschen Gasspeicher sind deutlich schwächer gefüllt als in früheren Jahren, während zugleich neue politische und wirtschaftliche Risiken für die Gasversorgung entstehen. Wir greifen seine Analyse auf und fassen die wichtigsten Punkte zusammen.
Niedrige Speicherstände vor der Heizsaison
Der Füllstand der deutschen Gasspeicher liegt derzeit bei rund 44 Prozent. Üblich waren zu diesem Zeitpunkt etwa 60 Prozent. Zudem begann die Befüllung 2026 von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau.
Die Speicherbetreiber zögern mit dem Einkauf, weil die Gaspreise bereits im Sommer hoch sind. Sollte Gas im Winter wieder günstiger werden, könnten ihnen Verluste entstehen. Der Speicherverband INES warnt deshalb, dass bis zur Heizsaison technisch nur noch ein Füllstand von etwa 76 Prozent erreichbar sei.
Bei einem außergewöhnlich kalten Winter könnte im Februar oder März 2027 zeitweise ein erheblicher Teil des täglichen Gasbedarfs fehlen. Besonders die Industrie wäre dann von möglichen Abschaltungen betroffen. Die Bundesnetzagentur erklärt dennoch, die Versorgungssicherheit sei gewährleistet.
Deutschland bezieht indirekt weiterhin russisches Gas
Nur ein relativ kleiner Teil des deutschen Erdgasbedarfs wird direkt über deutsche LNG-Terminals gedeckt. Große Mengen gelangen über Belgien und die Niederlande nach Deutschland.
Dabei wird kaum thematisiert, dass beide Länder weiterhin russisches LNG importieren. Auch Frankreich bezieht erhebliche Mengen aus Russland. Deutschland nutzt somit indirekt weiterhin russisches Gas, obwohl die direkten Lieferungen weitgehend beendet wurden.
Die EU plant, russische Gasimporte ab 2027 vollständig zu stoppen. Dies könnte den Wettbewerb um andere LNG-Lieferungen verschärfen und zu höheren Preisen führen.
Mehr Gaskraftwerke, mehr Abhängigkeit
Durch den Ausstieg aus der Kernenergie und den weiteren Ausbau wetterabhängiger Stromerzeugung wächst der Bedarf an steuerbaren Reservekraftwerken. Die Bundesnetzagentur hält bis 2035 zusätzliche Kapazitäten von bis zu 35.500 Megawatt für erforderlich.
Werden diese Kapazitäten überwiegend durch Gaskraftwerke bereitgestellt, steigt der deutsche Gasverbrauch deutlich. Vahrenholt kritisiert deshalb, dass Deutschland aus der Kernenergie ausgestiegen ist und sich gleichzeitig noch stärker von importiertem Erdgas abhängig macht.
Eigene Gasvorkommen bleiben ungenutzt
Gleichzeitig bleibt die Förderung von Schiefergas durch Fracking in Deutschland weitgehend ausgeschlossen. Ein Gutachten des früheren Präsidenten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Prof. Hans-Joachim Kümpel, sieht dagegen große förderbare Vorkommen und hält moderne Verfahren unter bestimmten Bedingungen für beherrschbar.
Nach seinen Berechnungen könnten deutsche Schiefergasvorkommen über Jahrzehnte einen erheblichen Beitrag zur Versorgung leisten. Die politische Mehrheit lehnt eine solche Förderung bislang jedoch ab.
Neue EU-Regeln könnten Importe erschweren
Ein weiteres Risiko sieht Vahrenholt in der EU-Methanverordnung. Ab 2027 sollen Importeure nachweisen, dass auch Förderländer außerhalb Europas strenge europäische Methanstandards einhalten.
Energieunternehmen und wichtige Lieferländer warnen, dass dadurch große Teile der weltweiten Gaslieferungen nicht mehr ohne Weiteres nach Europa gelangen könnten. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche fordert deshalb eine Aussetzung der Vorschriften, während Bundesumweltminister Carsten Schneider an ihnen festhält.
Wachsende Risiken für Versorgung und Preise
Niedrige Speicherstände, das geplante Ende russischer Importe, ein steigender Gasbedarf neuer Kraftwerke, das Fracking-Verbot und zusätzliche EU-Vorschriften treffen zeitlich zusammen.
Vahrenholts Analyse zeigt damit einen grundlegenden Widerspruch der deutschen Energiepolitik: Der Bedarf an Erdgas wächst, während gleichzeitig eigene Fördermöglichkeiten ausgeschlossen und internationale Lieferwege politisch erschwert werden. Die geplante staatliche Gasreserve kann einzelne Engpässe abfedern, ersetzt aber keine langfristige Strategie für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung.
Newsletter von Prof. Dr. Fritz Vahrenholt
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Grundlagen der Gasspeicherung
Gasspeicher sind als ober- und unterirdische Bauformen unverzichtbar für die Energieinfrastruktur. Ihre Auswahl hängt von Verwendungszweck, Speichervolumen und Flexibilität ab. Oberirdische Varianten gleichen kurzfristige lokale Schwankungen aus, während unterirdische Komplexe die saisonale Energieversorgung ganzer Länder sichern.
Die oberirdische Speicherung
Diese künstlichen Behälter aus Stahl oder Beton besitzen eine begrenzte Kapazität. Kugelspeicher nehmen Gas unter hohem Druck auf und verteilen die Belastung optimal. Historische, zylindrische Gasometer speicherten Gas bei geringem Druck in flexiblen Teleskopbecken. Moderne Röhrenspeicher aus oberflächennahen Rohrschleifen dienen primär als Puffer an Pipelines oder Industrieanlagen.
Die unterirdische Speicherung
Diese nutzen natürliche geologische Formationen in tiefen Erdschichten für die monatelange Lagerung gigantischer Mengen. Kavernenspeicher sind künstliche, gasdichte Hohlräume in Salzstöcken, die hohe Drücke und schnelle Prozesse erlauben. Porenspeicher lagern Gas wie ein Schwamm in mikroskopischen Gesteinszwischenräumen ehemaliger Lagerstätten, geschützt vor dem Entweichen nach oben durch eine dichte Tonschicht.
Titelbild: © magnific.com – Gas-Distribution, Montage mit Prof. Dr. Fritz Vahrenholt.

