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Windkraft: Video 9 von Prof. Schulte

Prof. Schulte Gegenwind Windkraft im Wald Teil 9

Windenergie: Wer profitiert von der regionalen Wertschöpfung?

Im neunten Teil seiner Videoserie richtet Prof. Dr. Andreas Schulte, Professor für Klimakunde, Waldökologie und Forstwirtschaft, den Blick auf die wirtschaftlichen Strukturen der Energiewende. Im Mittelpunkt steht die häufig verwendete Aussage, Windenergie schaffe regionale Wertschöpfung, beteilige Bürger und verschaffe Kommunen zusätzliche Einnahmen.

Schulte stellt diese Darstellung grundsätzlich infrage. Seine zentrale These: Ein erheblicher Teil der finanziellen Förderung wird letztlich von Steuerzahlern aufgebracht, während große Teile der eigentlichen industriellen Wertschöpfung längst außerhalb der betroffenen Regionen und teilweise außerhalb Deutschlands stattfinden.

Milliarden aus dem Bundeshaushalt

Eine besondere Rolle spielt dabei die Finanzierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Seit 2023 wird die EEG-Förderung aus dem Bundeshaushalt und damit aus Steuermitteln finanziert. Prof. Schulte spricht deshalb weniger von zusätzlicher Wertschöpfung als von einer Umverteilung von Steuergeldern. Nach seiner Argumentation müsse bei kommunalen Einnahmen aus Windenergie immer berücksichtigt werden, woher das Geld ursprünglich stammt.

Als Beispiel nennt er einen geplanten Windpark, bei dem drei Kommunen über eine Laufzeit von 25 Jahren insgesamt rund sechs Millionen Euro erhalten sollen. Die Zahlungen basieren auf § 6 EEG. Schulte stellt diesen Einnahmen die wesentlich höheren gesamtstaatlichen Aufwendungen für die EEG-Finanzierung gegenüber.

Seine zentrale Frage lautet deshalb: Entsteht tatsächlich neue regionale Wertschöpfung – oder erhalten Kommunen lediglich einen kleinen Teil jener Milliarden zurück, die Bürger und Unternehmen zuvor über Steuern zur Finanzierung des Systems aufgebracht haben?

Was bleibt tatsächlich in der Region?

Auch das häufig verwendete Argument, Windenergie halte die Wertschöpfung in der Region, untersucht Prof. Schulte genauer. Bei modernen Windenergieanlagen entfällt nach den von ihm herangezogenen Quellen der überwiegende Teil der Investitionskosten auf die eigentliche Anlage. Hinzu kommen Planung, Genehmigung, Wege, Fundamente, Transport, Netzanschluss und weitere Investitionskosten.

Gerade die technisch und finanziell bedeutenden Komponenten werden jedoch nicht zwangsläufig in der jeweiligen Region hergestellt. Globale Hersteller produzieren Maschinenhäuser, Rotorblätter und Türme an verschiedenen internationalen Standorten.

Damit verbleibt nach Schultes Analyse nur ein begrenzter Teil der Gesamtinvestition tatsächlich vor Ort – etwa über Pachten, bestimmte Dienstleistungen, kommunale Zahlungen oder einzelne Aufträge an regionale Unternehmen.

Nordex als Beispiel für internationale Kapitalstrukturen

Ausführlich beschäftigt sich Prof. Schulte mit dem Windenergieanlagenhersteller Nordex. Das Unternehmen hat seinen deutschen Hauptsitz in Hamburg und wichtige Standorte in Rostock, produziert jedoch international. Schulte verweist darauf, dass Nordex sein letztes deutsches Rotorblattwerk 2022 geschlossen hat. Als Gründe wurden unter anderem hohe Energie- und Produktionskosten sowie internationale Wettbewerbsbedingungen genannt.

Gleichzeitig profitiert das Unternehmen erheblich vom starken Ausbau der Windenergie in Deutschland. Schulte betrachtet deshalb auch die Eigentümerstruktur: Größter Anteilseigner ist der spanische Infrastruktur- und Energiekonzern Acciona; weitere Aktien befinden sich unter anderem im Besitz internationaler institutioneller Investoren. Das Beispiel soll verdeutlichen, dass steigende Investitionen in deutsche Windenergieanlagen nicht automatisch bedeuten, dass entsprechende Gewinne, Arbeitsplätze und industrielle Wertschöpfung in Deutschland oder gar in den Standortkommunen verbleiben.

Bürgerbeteiligung und kommunale Erlöse

Bereits im vorherigen Teil der Videoserie hatte Prof. Schulte sogenannte Bürgerbeteiligungen kritisch untersucht. Dort ging es insbesondere um Nachrangdarlehen und die damit verbundenen finanziellen Risiken für private Anleger. Nun erweitert er diese Betrachtung um die kommunale Ebene. Projektierer und Betreiber werben häufig mit Pachteinnahmen, Gewerbesteuern, finanzieller Beteiligung der Kommunen und zusätzlichen Aufträgen für örtliche Unternehmen.

Solche Einnahmen können für einzelne Gemeinden durchaus relevant sein. Prof. Schulte fordert jedoch, sie in Relation zu den gesamten Investitions- und Förderstrukturen zu betrachten. Kommunale Einnahmen allein seien noch kein Beleg dafür, dass die gesamte Wertschöpfung eines Windparks in der Region verbleibt.

Lobbyismus und politische Netzwerke

Kritisch betrachtet Prof. Schulte auch die enge Verbindung zwischen Energiewirtschaft, Politik und Interessenvertretungen. Die wirtschaftlichen Vorteile des Windenergieausbaus würden nach seiner Auffassung häufig hervorgehoben, während die Herkunft der Fördermittel, internationale Eigentümerstrukturen und der tatsächliche Verbleib der Wertschöpfung wesentlich weniger Beachtung fänden. Gerade deshalb sei es notwendig, Aussagen über „regionale Wertschöpfung“, „Bürgerbeteiligung“ oder „hohe Erlöse für Kommunen“ anhand konkreter Zahlen zu überprüfen.

Nicht entscheidend sei, welche Einnahmen ein Projekt verspricht. Entscheidend sei die gesamte wirtschaftliche Bilanz: Wer finanziert das System, wohin fließen Investitionen und Gewinne – und welcher Anteil verbleibt tatsächlich bei Bürgern und Kommunen?

Fazit

Der neunte Teil der Videoserie stellt die Frage nach den Gewinnern der Energiewende in den Mittelpunkt. Prof. Dr. Andreas Schulte widerspricht der verbreiteten Vorstellung, dass Windenergieinvestitionen automatisch zu umfangreicher regionaler Wertschöpfung führen.

Seine Analyse richtet den Blick insbesondere auf die Umverteilung von Milliarden Euro aus Steuermitteln, internationale Produktions- und Eigentümerstrukturen sowie die tatsächliche Größenordnung kommunaler Einnahmen.

Damit erweitert die Videoserie ihre bisherige Betrachtung von Natur-, Umwelt- und wirtschaftlichen Risiken um eine grundsätzliche Frage: Wie viel von den Milliarden, die für den Ausbau der Windenergie aufgebracht werden, kommt tatsächlich bei den Bürgern und Kommunen vor Ort an – und wer profitiert am Ende am stärksten davon?

Zum Video

Quellen zum Vortrag

Zur Vertiefung der im Video angesprochenen Themen steht ein Auszug aus dem Literatur- und Quellenverzeichnis von Prof. Dr. Andreas Schulte zur Verfügung.

Quellen & Literatur öffnen

YouTube-Kanal CumTempore

Der YouTube-Kanal von Prof. Dr. Andreas Schulte unterteilt sich aktuell in die Serien:
Fake Facts Forst — If Ideology ist master, you reach desaster faster! — WaldKlimaWissen — Denken in Lösungen und Visionen.
YouTube Kanal
Die Website von Prof. Schulte erreichen Sie hier:
cumtempore.info
Prof. Dr. Andreas Schulte

Bilder: Screenshot aus Videos.

Schlagworte: #Windkraft#Energiewende#EEG#Subventionen#Windenergie#Energiekosten#Stromnetz#Energiepolitik

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