Hitzetage in Stadthagen
44 Grad – aber auf welcher Grundlage?
Zum Artikel „44 Grad und doppelt so viele Hitzetage“ – Schaumburger Nachrichten vom 13. Mai 2026.
Der Artikel vermittelt den Eindruck, als stehe Stadthagen vor nahezu unausweichlichen Extremtemperaturen von bis zu 46,9 Grad. Grundlage dieser Darstellung ist vor allem das Klimaszenario RCP 8.5. Dabei sollte jedoch erwähnt werden, dass dieses Szenario in der Fachwelt inzwischen zunehmend kritisch eingeordnet wird.
RCP 8.5 basiert auf der Annahme eines extrem starken weiteren Anstiegs der weltweiten Emissionen und eines sehr hohen Verbrauchs fossiler Energieträger. Viele Wissenschaftler betrachten dieses Szenario heute nicht mehr als realistisches „Weiter wie bisher“, sondern als Extrem- oder Worst-Case-Szenario. Genau dieser Punkt wird in der öffentlichen Berichterstattung jedoch häufig nur am Rande erwähnt.
Auch internationale Fachveröffentlichungen weisen inzwischen darauf hin, dass RCP 8.5 ursprünglich vor allem dazu diente, Risiken unter maximalen Belastungen zu untersuchen – nicht als wahrscheinlichste Zukunftsprognose. Die tatsächliche Entwicklung liegt derzeit eher zwischen mittleren Szenarien.
Natürlich verändert sich das Klima. Hitzewellen und milde Winter sind reale Entwicklungen, über die berichtet werden sollte. Problematisch wird es jedoch, wenn aus Extremannahmen nahezu sichere Zukunftsbilder entstehen. Schlagzeilen wie „44 Grad in Stadthagen“ erzeugen Aufmerksamkeit, können aber auch Ängste verstärken und eine sachliche Diskussion erschweren.
Gerade bei einem sensiblen Thema wie dem Klimawandel wäre daher eine differenzierte Einordnung wichtig: Welche Szenarien gelten heute als wahrscheinlich? Welche Annahmen stehen dahinter? Und welche Unsicherheiten bestehen?
Eine offene Debatte lebt nicht von apokalyptischen Bildern, sondern von Transparenz und wissenschaftlicher Einordnung.
Manfred Bartsch
Lauenau
Doppelt so viele Hitzetage
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Klimawandel extrem: In Stadthagen könnten die Sommer in den nächsten 50 Jahren unerträglich werden, die Winter dafür milder denn je. Ein Blick auf die Szenarien zeigt, wie drastisch sich unser Klima ändern könnte, wenn wir nichts unternehmen.
Der Artikel vom 12. Mai 2026 steht hier nur mit Abo komplett zur Verfügung:
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